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MI | 11.04.2012
Erwin Wenzl (Bild: APA)
LANDESHAUPTMANN
Trauer um Alt-Landeshauptmann Erwin Wenzl
Eine der markantesten Persönlichkeiten der oberösterreichischen Politik ist tot. Erwin Wenzl, er war von 1971 - 1977 Landeshauptmann, ist in der Nacht auf Montag im 85. Lebensjahr gestorben.
Erwin Wenzl prägte über Jahre die politische und wirtschaftliche Entwicklung Oberösterreichs mit. Geboren wurde er in Annaberg in Niederösterreich, seine Kindheit verbrachte er in Wolfsegg am Hausruck, einem Landesteil dem Erwin Wenzl stets verbunden blieb.

Er studierte Rechtswissenschaft und trat dann in die Dienst der Land- und Forstwirtschaftlichen Genossenschaften. Dort erkannte Felix Kern, Landespolitiker und Bauernbunddirektor, das politische Potential des jungen Erwin Wenzl.
1971 Landeshauptmann
Er startete seine politische Karriere 1952 als ÖVP-Landesparteisekretär, wurde 1955 Landtagsabgeordneter und trat nach dem Tod seines väterlichen Mentors, Felix Kern, in die Landesregierung ein.

1967 rettete Erwin Wenzl, damals schon Landeshauptmannstellvertreter und Kronprinz Heinrich Gleissners in zähen Verhandlungen mit der FPÖ die Position des Landeshauptmanns für die Volkspartei. Ab 1968 lenkte er als Landesparteiobmann die Geschicke der Volkspartei in Oberösterreich und folgte 1971 Gleissner als Landeshauptmann.
Setzte auf Zusammenarbeit
Erwin Wenzl setzte in der Politik stets auf Zusammenarbeit und er gilt als Wegbereiter für das gute politische Klima in Oberösterreich. Schon als Baulandesrat und später als Landeshauptmann schaffte er einen neuen Standard für die Lebensqualität im Land.

Als erster Landespolitiker proklamierte er das Jahr 1972 zum Umweltschutzjahr. Er prägte die Vision vom "staubfreien Oberösterreich."

Mehr als hundert Ortsumfahrungen wurden errichtet, zahllose Güterwege gebaut, das Autobahnnetz erweitert. Während seiner Zeit als Landeshauptmann wurden sechs neue Donaubrücken errichtet.
Einsatz für Regionalfernsehen
Erwin Wenzl setzte sich mit aller Kraft für Bildung und Erziehung im Land ein. Bahn brechend war die Einführung der Objektivierung für Lehrer und Schuldirektoren.

Besondere Verdienste erwarb sich Erwin Wenzl beim Kampf um den Verbleib der Generaldirektion der VOEST in Linz. Er war ein Mann, der nicht nur Schlagzeilen sondern auch Medienpolitik machte und er setzte sich als erster Landespolitiker für das Regionalfernsehen ein.
Baumeister und Schrittmacher
1977 trat Erwin Wenzl völlig überraschend als Landeshauptmann zurück. Er wechselte vom Landhaus in die OKA-Generaldirektion und stand dem Energieunternehmen 13 Jahre lang vor.

In diesen Jahren setzte er wesentliche Schritte in der Energiepolitik Die Kraftwerke Marchtrenk, Traun-Pucking und Riedersbach II wurden gebaut. Sein besonderer Schwerpunkt war die Förderung von kostengünstiger und umweltfreundlicher Energie. 1989 trat er auch als OKA-Generaldirektor in den Ruhestand.

Erwin Wenzl bleibt den Oberösterreichern als Baumeister und Schrittmacher in Erinnerung.
Schüssel: "Großartige Persönlichkeit"
Die Reihe der Reaktionen auf den Tod von Erwin Wenzl ist  lang und prominent. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sagte: "Mit Erwin Wenzl ist eine großartige Persönlichkeit und ein Landespolitiker, der immer auch das Staatsganze im Blick hatte, von uns gegangen."

Landeshauptmann Pühringer (ÖVP) würdigte Erwin Wenzl als "große Persönlichkeit", Wenzl habe "die Weichen für das moderne Oberösterreich gestellt. Er hat bis zum letzten Atemzug mit dem Land gelebt und mitgedacht", sagte Pühringer.

Auch Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider (SPÖ) würdigte den Verstorbenen. Besonders erwähnte Haider, dass Wenzl als damaliger Straßenlandesrat mit seinem Vorgänger Heinrich Gleißner die erste Landesautobahn durchgesetzt hat.

Der Landessprecher der Grünen, Rudi Anschober betont, Wenzl habe als erste führende Persönlichkeit in Oberösterreich "erste umweltpolitische Initiativen gesetzt".

Für den Landesparteiobmann der FPOÖ, Lutz Weinzinger, hat Oberösterreich mit Wenzl einen Politiker verloren, "der die Überleitung von der Nachkriegswirtschaft in die elektronische Neuzeit" entscheidend mitgestaltet habe.

Und Bischof Maximilian Aichern und Diözesanbischof Ludwig Schwarz behalten Wenzl als Landeshauptmann in Erinnerung, der "immer die Zusammenarbeit gesucht hat".
Erwin Wenzl wird ab Donnerstag in der Minoritenkireche aufgebahrt. Nach einer Trauersitzung im Landhaus und einem Requiem im Mariendom am Samstag wird der verstorbene Alt-Landeshauptmann im engsten Familien- und freundeskreis beigesetzt.
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