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MI | 11.04.2012
Singvogel (Bild: APA)
KRITIK
Singvogelfang in OÖ weiter umstritten
Das Brauchtum des Singvogelfanges in OÖ bleibt umstritten. Die  Ankündigung von Naturschutzreferent Erich Haider (SPÖ), nach einem Gutachten des Verfassungsdienstes doch Genehmigungen auszustellen, stieß am Freitag auf Kritik.
Der Landessprecher der Grünen, Umweltlandesrat Rudi Anschober, erklärte, seine Fraktion sehe das Gutachten des Verfassungsdienstes keineswegs als Freibrief, wieder Bewilligungen für den Singvogelfang und die Ausstellung der gefangenen Vögel zu erteilen.

Es könne nicht sein, dass im oberösterreichischen Salzkammergut das genehmigt werde, was im steirischen und im salzburgischen Salzkammergut längst verboten sei. Die 3. Landtagspräsidentin Doris Eisenriegler (Grüne) ergänzte, eine Tradition, die mit Tierquälerei verbunden sei, gehöre für immer abgeschafft.

"Spitzfindige juridische Tricks"
Martin Balluch vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) stellte fest, aus der rechtlichen Beurteilung des Verfassungsdienstes folge nicht, dass der Singvogelfang erlaubt sei. Er kritisierte, dass "mit fadenscheinigen Ausreden und spitzfindigen juridischen Tricks" gearbeitet werde, um einen eigentlich klaren Sachverhalt zu verdrehen und zu entstellen.
Faktum bleibe aber: Der Singvogelfang sei Tierquälerei, wie unzählige Expertengutachten bestätigt hätten. Er sollte nach dem Willen der großen Mehrheit in Österreich verboten sein. Der VGT-Obmann kündigte an, in der Sache zu den Bundesgerichtshöfen zu gehen.
Ausnahmegenehmigung
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) hatte nach einem Begutachtungsverfahren Ende Juli eine Ausnahmegenehmigung für das traditionelle Zurschaustellen der wild gefangenen Tiere abgelehnt. Durch die mit 20. Dezember 2004 erlassene Ausstellungsverordnung zum Bundestierschutzgesetz sei die Ausstellung von Wildfängen in der Öffentlichkeit untersagt worden.

"Solidaritätsfest für Brauchtum und Tradition"
Die Vogelfänger sahen keinen rechtlichen Grund, von ihrem Brauchtum abzulassen, und kündigten den Gang zum Verfassungsgerichtshof (VfGH) an. Sie bereiteten zudem für den kommenden Sonntag ein "Solidaritätsfest für Brauchtum und Tradition" in Bad Goisern vor, bei dem sie ihre Argumente für den Singvogelfang einer breiten Öffentlichkeit nahe bringen wollten.
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