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MI | 11.04.2012
Sujetbild Journalist (Bild: fotolia.de/Chagin)
CHRONIK
Pseudonym: Neonazi als Journalist
Ein bekannter Neonazi hat versucht, als Journalist in Wels Fuß zu fassen. Der aus Kärnten stammende Andreas Thierry war einer der Chefideologen der Rechtsextremen in Deutschland und schrieb unter einem Pseudonym.
1995 wegen Wiederbetätigung verurteilt.
Aus Andreas Thierry wurde Andreas Reichl
Andreas Reichl nannte sich der Journalist, der Anfang August bei der Illustrierten "Wels im Bild" zu arbeiten und schreiben begann. Als Chef vom Dienst nahm er dort eine leitende Funktion ein. Doch hinter diesem Pseudonym steckte in Wirklichkeit Andreas Thierry.

Dieser Name lässt bei den Verfassungsschützern und dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes die Alarmglocken schrillen. Laut Dokumentationsarchiv ist der 41-jährige Kärntner einer der führenden Köpfe der Rechtsextremenszene in Österreich und Deutschland.

Bundesvorstand der NPD
Bis vergangenen September saß Thierry im Bundesvorstand der NPD, der Nationalen Partei Deutschland. Dann trat er aus der NPD aus. Bereits 1995 wurde er in Österreich wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt. In Oberösterreich hatte er Kontakt mit dem rechten Bund Freier Jugend aus Marchtrenk.
Thierry habe Moser das Versprechen gegeben, sich nicht politisch zu engagieren und keine politischen Artikel zu schreiben.
ORF erhielt Hinweise von Beobachtern
Dass hinter dem Welser Journalisten Andreas Reichl Andreas Thierry steckte, erfuhr der ORF schließlich durch einen Hinweis von Beobachtern der rechten Szene. Seine Identität bestätigte Helmut Moser, der Chef der Moser Medien Gruppe Austria, die neben "Wels im Bild" weitere Magazine herausgibt, auf Anfrage.

Chef wusste von wahrer Identität
Moser bestätigte auch, dass ihm die wahre Identität Thierrys bekannt war. Mit 1. August habe er den Rechtsextremen angestellt, so Moser, auch weil er ihm "eine zweite Chance geben wollte". Thierry habe ihm das Versprechen gegeben, sich nicht politisch zu engagieren und keine politischen Artikel zu schreiben.

Dienstverhältnis aufgelöst
Von seiner einschlägig rechtsextremen Vergangenenheit in Deutschland und der Verurteilung wegen NS-Wiederbetätigung habe er nichts gewusst, verteidigte sich Moser. Und er habe jetzt nach Bekanntwerden sofort die Konsequenzen gezogen. Das Dienstverhältnis wurde aufgelöst, und er habe sofort seinen Schreibtisch geräumt, so Moser. Artikel von Thierry, alias Reichl, werden nicht erscheinen.

Reaktionen
Das Mauthausen Komitee, die Welser Initiative gegen Faschismus und die Grünen fordern öffentliche Einrichtungen und Unternehmen auf, die Zusammenarbeit und die Schaltung von Inseraten in Zeitschriften der Welser Mediengruppe einer Kontrolle zu unterziehen.

Das Bundesheer, für das der Medienunternehmer aus Wels eine Fernsehsendung produziert, will die Zusammenarbeit in den nächsten Tagen neu bewerten. Eine Entscheidung, ob man mit ihm weiterarbeiten werde, soll nächste Woche fallen, heißt es aus dem Verteidigungsministerium.
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