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MI | 11.04.2012
Knie-Operation (Bild: ORF)
CHRONIK
Vergleich UKH-AKh sorgt für Zündstoff
Der Bundesrechnungshof hat Leistungen im Linzer UKH mit jenen der unfallchirurgischen Abteilung des AKh verglichen. Im UKH haben Ärzte im Schnitt weniger Arbeitszeit aber mehr Gehalt. Das UKH wehrt sich gegen den Rechnungshofbericht.
Doppelt so hohe Personalkosten bei weniger Auslastung.
Bundesweite Überprüfung
Geprüft wurden bundesweit Dienstpläne, Leistungen und Arbeitszeiten in den Unfallkrankenhäusern der AUVA und Leistungen in unfallchirurgischen Abteilungen anderer Spitäler.

Für Oberösterreich ist vor allem der direkte Vergleich Unfallkrankenhaus – Allgemeines Krankenhaus interessant. Eigentlich ging es darum, festzustellen, ob man die Dienstpläne optimieren könne.

Politische Debatte könnte folgen
Herausgekommen sind Zahlen, die in der laufenden Spitalsreform wohl einiges an politischer Debatte nach sich ziehen werden.

Der Rechnungshof zeigt nämlich auf, dass die Personalkosten im UKH Linz - mit 28 Millionen Euro - doppelt so hoch sind, wie im AKh.

Kostenniveau im UKH höher
Generell, so ist zu lesen, sei das Kostenniveau trotz geringerer jährlicher Steigerung wesentlich höher, als im AKh. Und das bei geringerer Auslastung, denn die würde nur bei durchschnittlich 50 Prozent liegen, sagt der Rechnungshof.
Rechnungshof empfiehlt Abbau von Überkapazitäten.
Personalintensivere Ärzteausstattung
Auch die Kosten pro Patienten seien in den untersuchten Unfallkrankenhäusern beinahe doppelt so hoch, wie im AKh. Die Unfallkrankenhäuser haben laut Rechnungshofbericht eine wesentlich personalintensivere Ärzteausstattung, diese Ärzte operieren aber im Jahresschnitt weniger Patienten.

Ärzte im UKH können auch als Belegärzte in anderen Spitälern arbeiten, was eine flexiblere Dienstplangestaltung sehr schwer mache, kritisieren die Prüfer, im AKh dürfen Mediziner nirgendwo sonst arbeiten, es sei denn als Notärzte.

25 bis 43 Prozent mehr Gehalt
Ärzte in den AUVA-Häusern haben etwa 25 bis 43 Prozent mehr Gehalt, als im AKH und das bei deutlich kürzeren durchschnittlichen Arbeitszeiten.

Die Empfehlungen des Rechnungshofes sind daher naheliegend: Keine nebenberufliche Tätigkeit der UKH-Ärzte mehr, eine bessere OP-Organisation, verstärkt tagesklinische Behandlungen, ein Anheben der monatlichen Arbeitszeit auf das erlaubte Höchstmaß und - das dürfte vor allem bei der Debatte um die Spitalsreform neuen Zündstoff bieten - ein Abbau von Überkapazitäten im Betten- und Stationsbereich.
Zu den kürzeren Dienstzeiten sagt Prugger - zu diesen stehe man, schließlich wolle auch kein Patient von einem übermüdeten Chirurgen operiert werden.
UKH wehrt sich gegen Rechnungshofbericht
Erhard Prugger, Vorsitzender der AUVA-Landesstelle Linz will das so nicht stehen lassen. Er sagte: "Grundsätzlich bin ich froh, wenn ich bei unserem permanenten Reformprozess gute Tipps, auch vom Rechnungshof, bekomme. Das war vor vier Jahren schon einmal der Fall. Da haben wir praktisch 100 Prozent umgesetzt. Und es sind auch jetzt einige Punkte dabei, die Rückenwind für unsere Bemühungen sind. Ich nenne da beispielsweise die Auslastung unserer Operationssäle, da ist noch was drinnen, da hat der Rechnungshof völlig recht. Und da sind wir auch dran, Dritte oder Fremde hereinzuholen, um die OP-Säle noch besser auszulasten."

"Ansonsten muss ich schon feststellen, dass immer wieder auch Äpfel mit Birnen verglichen werden, beispielsweise wenn es um die Kosten je Patient geht. Es ist korrekt, dass wir tatsächlich höhere Kosten als das AKh haben. Das lässt sich aber sehr leicht erklären, denn zu uns kommen die Schwerbrandverletzten. Solch ein Verletzter kostet am Tag 10.000 Euro, und das sechs Wochen lang. Solche Kosten hat kein anderes Krankenhaus in Oberösterreich. Logischerweise wirkt sich das dann auch entsprechend aus", sagte Prugger.

"Höheres Grundgehalt"
Hinsichtlich des Ärzteverdienstes sagte Prugger: "In einem Unfallkrankenhaus sind natürlich viel weniger Privatpatienten. Daher haben wir im Kollektivvertrag von vornherein immer schon ein höheres Grundgehalt. Rechnet man die Privatpatienten dazu, im benachbarten AKh beispielsweise, dann verdient unterm Strich ein AKh- und ein UKH-Arzt durchaus gleich viel."

Zu den kürzeren Dienstzeiten sagt Prugger - zu diesen stehe man, schließlich wolle auch kein Patient von einem übermüdeten Chirurgen operiert werden.
FPÖ: "Zersplitterte Trägerstruktur"
Die Freiheitlichen fordern, dass bei der Spitalsreform auch das UKH mitberücksichtigt wird. Die zersplitterte Trägerstruktur im heimischen Spitalswesen bringe große Nachteile mit sich, wie sich einmal mehr gezeigt habe, so die Gesundheitssprecherin der Freiheitlichen, Brigitte Povysyl.
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