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MI | 11.04.2012
Ausgrabung Wels (APA)
ARCHÄOLOGIE
Großes Gräberfeld in Wels entdeckt
Archäologen haben ein großes Gräberfeld aus der Zeit der Römer und der Bajuwaren in Wels entdeckt. Insgesamt 50 Skelette und Urnen wurden dabei freigelegt.
Bei den Vorbereitungen für den Bau eines Büro- und Geschäftshauses mit einer Tiefgarage waren bereits im Vorjahr Hinweise auf einen Friedhof aus der Römerzeit gefunden worden. 

Ausgrabung erst kürzlich abgeschlossen
Die Ausgrabung im Bereich des Bahnhofsvorplatzes wurde erst kürzlich abgeschlossen. Die Direktorin der städtischen Museen Wels, die Archäologin Renate Miglbauer, verzichtete davor auf Veröffentlichungen, um nicht Grabräuber anzulocken.
Grabung Wels (APA)
Gräber aus dem 2. und 3. Jahrhundert
Bei der heuer durchgeführten systematischen Grabung fanden die Archäologen tatsächlich eine Fülle von Gräbern aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus. "Ein Glücksfall: Die Erdschichten darüber sind von späteren Eingriffen wie Bauten oder Leitungsgräben, aber auch Bombentrichtern aus dem Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont geblieben", schildert Miglbauer.
Dicht belegter Friedhof
So konnte das Grabungsteam einen dicht belegten Friedhof mit zahlreichen Gräbern von Männern, Frauen und Kindern freilegen, insgesamt 50 Skelette und 100 Urnen. Die Urnen waren Steinkisten oder Gefäße aus Ton, eine sogar aus Glas. Sie ist - obwohl sie einfach in der Erde lag - vollständig erhalten.

Dazu gab es jeweils Grabbeigaben, darunter Öllämpchen, Tongefäße, Fibeln aus Bronze, kleine Fläschchen für Parfum, Schmuck sowie Tonfiguren.

Münze für den Fährmann
Unmittelbar darüber in der Erdschicht lag oft eine Münze: Der Tote benötigte sie gemäß der antiken Mythologie zur Bezahlung des Fährmannes, der ihn über den Fluss in das Jenseits brachte. "Praktisch, wie die Römer nun einmal waren, gaben sie nur kleine Münzwerte mit, etwa Asse oder Sesterze, sehr selten Denare", beschreibt Miglbauer.
Grabung Wels (APA)
Gräber von bajuwarischen Kriegern
Gräber aus dem 4. und 5. Jahrhundert nach Christus fehlten auf dem Areal. Aber neben den römischen Gräbern fanden sich Bestattungen aus bajuwarischer Zeit. Bei zwei davon wurde jeweils ein Eisenschwert entdeckt, es handelte sich somit um die letzte Ruhestätte von zwei Kriegern aus dem 7. und 8. Jahrhundert.
Genaue Untersuchungen
Die Schwerter wurden mit einem Computertomographen der Fachhochschule Wels untersucht. Dabei wurde bei einem entdeckt, dass daran noch zwei Messer hafteten. Sie waren unter der dicken Rostschicht nicht zu sehen. Die Funde befinden sich derzeit zur weiteren Bearbeitung in der Restaurierwerkstätte des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien.

Rätsel um Pferdegrab gelöst
Die nunmehr gefundenen bajuwarischen Gräber lösen auch ein Rätsel des Vorjahres: Damals war ein Pferdegrab gefunden worden. Das ist für die Römerzeit völlig unüblich, bei den Bajuwaren wurde hingegen auch das Pferd mitbestattet.

Alte Römerstraße
Die Lage des Friedhofes ist für die Archäologen gut nachvollziehbar. Er befand sich unmittelbar an einer römischen Straße, die in eine überregionale Fernstraße mündete. Sie entspricht dem Verlauf der heutigen B1. Und er war als römischer Friedhof später auch noch für die Bajuwaren klar erkennbar, die ihre Toten deshalb ebenfalls dort beisetzten.
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