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MI | 11.04.2012
Straßenbau (Bild: ORF/rito)
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Mühlviertler Schnellstraße endet im Nichts
2015 wird man auf der Mühlviertler Schnellstraße fast bis an die tschechische Grenze fahren können. Doch die Straße wird im Nichts enden, denn Tschechien hat aus Geldmangel die Weiterführung der S10 bis Budweis und darüber hinaus gestrichen.
In Südböhmen selbst ist der Ärger von Landes- und Kommunalpolitikern über diese Entscheidung groß. Jetzt versucht man, mit Modellen aus Oberösterreich, doch noch zumindest in einigen Abschnitten zeitgemäße Verkehrswege zu bekommen.

Auch Tschechen waren überrascht
Überrascht hat die Ankündigung von Tschechiens Verkehrsminister Bartha nicht nur die eigenen Leute. Straßenbaulandesrat Franz Hiesl (ÖVP) sagt: "Von dieser Aussage sind wir natürlich überrascht, denn wir hatten bisher immer gerechnet - so waren auch die Regierungsbeschlüsse in Tschechien -, dass 2016 die Tschechen mit der Autobahn von Prag über Budweis nach Wullowitz kommen werden."

"Frühestens 2025"
Kein Geld, keine Priorität: Die Autobahn von Budweis bis zur oberösterreichischen Grenze, also die Fortsetzung der S10, darüber könne man frühestens 2025 reden, heißt es in Prag.
Südböhmens Landeshauptmann Jiri Zimola ist ebenfalls sichtlich vor den Kopf gestoßen.

"Das ist ein großes Problem für die Städte und Gemeinden an der Strecke und für den gesamten Kreis Südböhmen. Das verletzt unsere gute Nachbarschaft mit Oberösterreich. Glauben Sie mir, wir über großen Druck auf Prag aus, dass die Autobahn gebaut wird, aber derzeit kann ich beim besten Willen keinen Zeithorizont nennen", so Zimola.

Bundesangelegenheit oder Privatinitiative
Straßenbau ist in Tschechien reine Bundesangelegenheit, den Ländern und Gemeinden bleibt die Beobachterrolle - oder die Privatinitiative. Pavel Eybert ist Bürgermeister der kleinen Gemeinde Chynov bei Tabor, genau zwischen Budweis und Prag. Er sitzt als Parlamentsabgeordneter auch im Verkehrsausschuss.

Dort gibt es inzwischen andere Pläne, die sich an oberösterreichischen Modelle anlehnen. PPP - Privat Public Partnership, die Vorfinanzierung durch private Investoren. Eybert sagt, das sei im Prinzip für Autobahnabschnitte zwischen Budweis und Prag im Konzept auch schon vorgesehen.

"Da werden sich nicht nur ihre Baufirmen freuen, auch das oberösterreichischen Bankenwesen hat schon Interesse gezeigt", sagte Eybert.

Schwerer Rückschlag für die Wirtschaft
Der Lückenschluss zwischen Budweis und der Grenze steht allerdings in den Sternen. Ein schwerer Rückschlag für die Wirtschaft im ohnehin strukturschwachen Grenzraum, so Franz Hiesl: "Wir brauchen gute Verkehrsverbindungen ins Mühlviertel und auch nach Südböhmen, weil die Südböhmen wichtige Wirtschaftspartner für uns in der Zukunft sein werden."

Für S10 ändert Entscheidung in Prag nichts
Für die S10 ändere die Entscheidung in Prag nichts. Bis Sommer seien Dreiviertel der Aufträge vergeben, 2015 werde man bis nördlich von Freistadt fahren können, sagt Hiesl. Und weiter, was ist mit Linz – Prag? Vielleicht 2030 sagt Senator Eybert, leider habe er keine Kristallkugel, um in die Zukunft zu schauen, er werde es als Autofahrer wohl nicht mehr erleben, fügt er hinzu.
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