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MI | 11.04.2012
Stethoskop
MEDIZIN
Mehr Risk-Management in Spitälern gefordert
Der Leiter der Abteilung Klinisches Risikomanagement an der Universität für Frauenheilkunde Norbert Pateisky, fordert mehr Aufmerksamkeit für sein Fach in den Spitälern. Denn immer wieder gebe es "blöde" - vermeidbare - schwere Behandlungsfehler.
Hochsicherheitssystem Luftfahrt als Vorbild
Darauf machte Pateisky beim "Innviertler MedizinForum", einem Kongress für Personal im Gesundheitswesen, am Samstag in der Therme Geinberg in Oberösterreich aufmerksam.

Vorbild für den Medizinbereich könnte laut Pateisky das Hochsicherheitssystem Luftfahrt sein. Seinen Vortrag beim Kongress gestaltete er deshalb mit dem AUA-Flugkapitän Hans Härting.

Unfallanalysen im Flugwesen hätten aufgezeigt, dass die häufigste Ursache menschliche Faktoren wie Stress, Übermüdung und Fehler in der Kommunikation seien. Durchschnittlich mache jeder Pilot pro Flug 2,5 Fehler, gab Härting zu.
Ständiges Teamtraining
Deshalb seien unter anderem standardisierte Verfahren mit einfachen Schritten geschaffen und in Checklisten festgehalten worden, die auch in kritischen Situationen einen geordneten Ablauf sicherstellen sollen. Zusätzlich gebe es ständiges Teamtraining.

Briefings - strukturierte Gespräche - sollen vor einem Flug die Zusammenarbeit und Kommunikation des Teams verbessern und seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress erhöhen. Bei der kürzlichen erfolgreichen Notlandung eines Passagierflugzeuges im Hudson River habe der Pilot jahrelang entwickelte Prozeduren innerhalb einer Minute genutzt.
Defizite in heimischen Spitälern
Im Vergleich dazu gebe es in den heimischen Spitälern noch viele Defizite, warnte Pateisky. Es fehle die Bereitschaft zu Risikomanagement und häufig seien Ärzte nicht bereit, einzugestehen, dass sie Fehler machen könnten. Es gebe schon Richtlinien zur Fehlervermeidung, sie seien aber zu kompliziert.

Einfachste Regeln
So sollen üblicherweise Gliedmaßen markiert werden, damit nicht falsch operiert werde. Es habe sich aber herausgestellt, dass 30 Prozent der falsch operierten ohnehin markiert gewesen sind. "Die Regeln müssen so einfach sein, dass auch der Portier versteht, was zu tun ist", verlangte Pateisky.

Wie in der Luftfahrt gebe es schon unabhängige anonyme Meldesysteme für Fehler, die beinahe zu einem Unfall geführt hätten. Diese würden analysiert und Gegenmaßnahmen entwickelt. Doch wenn dabei nur herauskomme, man solle künftig besser aufpassen, sei das zu wenig, warnte Pateisky.
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