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MI | 11.04.2012
Paket (Bild: SID OÖ)
WEISSKIRCHEN
Säurepakete an Politiker
Der SPÖ-Abgeordnete Rudolf Prinz hat am Freitag ein Paket erhalten, in dem eine Hülse mit einer ätzenden Flüssigkeit war. Er erlitt beim Öffnen Verätzungen. Weitere Pakete an ÖVP-Gemeindemandatare konnten abgefangen werden.
Päckchen in der Größe eines Buches.
In Passau aufgegeben
Das auffällig gelbe Päckchen in der Größe eines Buches war dem SPÖ-Landtagsabgeordneten an seine Wohnadresse in Weißkirchen an der Traun (Bezirk Wels-Land) zugestellt worden. Das Paket war mit Sondermarken beklebt und in Passau aufgegeben worden.
Paket (Bild: SID OÖ)
Rudolf Prinz (Bild: SPÖ OÖ/rubra) Säure ist "ausgefahren"
Der Politiker öffnete das Poststück in seinem Arbeitszimmer. Im Inneren befand sich ein Etui für eine Zigarre. Beim Öffnen dieses Etuis "ist die Säure ausgefahren und hat mich im Gesicht verbrannt", so Prinz im Interview mit dem ORF Radio Oberösterreich.

Der SPÖ-Landtagsabgeordnete Prinz war bis vor kurzem Bürgermeister von Weißkirchen.
"Habe unheimlich viel davon eingeatmet"
Der Altbürgermeister dürfte den Anschlag ohne größere Schäden überstanden haben. Prinz beschrieb seine Verletzungen so: "Die Hände sind ganz rot, und ich habe unheimlich viel davon eingeatmet. Augen, Nase und Gesicht brennen."
Weitere Pakete an ÖVP-Mandatare
Nach dem Säureattentat auf den SPÖ-Politiker wurde am frühen Freitagnachmittag bekannt, dass zwei weitere Pakete verschickt worden waren. Die Sendungen wären ebenfalls für ÖVP-Mandatare der Gemeinde Weißkirchen bestimmt gewesen.
Motiv: Rache
Für die Polizei lässt das die Vermutung zu, dass sich der Täter für eine Entscheidung der Gemeindeverwaltung rächen wollte. Eine Vermutung, die auch das Opfer bereits geäußert hat. Prinz war vor Jahren wegen eines Umwidmungsstreites massiv bedroht worden und hatte Anzeige erstattet. Das Verfahren wurde damals aber eingestellt.

Erweitertes Ich
Für den Gerichtspsychiater Reinhard Haller wäre ein Umwidmungsstreit ein denkbarer Anlass. Besitztümer empfinden Menschen als erweitertes Ich. Eine Abfuhr werde in der Folge persönlich genommen. Bei den Tätern handle es sich laut Haller meist um schwer verbitterte, gekränkte Menschen. Dass in diesem Fall auf Gemeindepolitiker losgegangen wurde, überrascht den Gerichtspsychiater nicht. Denn ein Bundeskanzler sei eine anonyme Größe, in der Gemeinde glaubt der Bürger aber oft, dass der Ortschef sein Freund sei.

Laut Haller handle es sich bei Menschen, die auf Gemeindepolitiker losgehen, um solche, denen man es im Ort durchaus zugetraut hat.
Polizei ersucht um Vorsicht
Ob es noch weitere Pakete gibt, ist derzeit nicht auszuschließen. Die Poststelle in Weißkirchen an der Traun wurde bereits durchsucht. Die Polizei ersucht die Bevölkerung trotzdem um Vorsicht.
"Angriff auf die Demokratie".
Bestürzte Reaktion aus der Politik
Schockiert zeigte sich SPÖ-Gemeindereferent Josef Ackerl über den Säureanschlag. In der Politik können man beim besten Willen sowohl auf Landes- als auch Gemeindeebene nicht jedem alles recht machen.

Bei allem Verständnis für die Unzufriedenheit seien Gewalt und körperliche Übergriffe aber schärfstens zu verurteilen. Die Angriffe auf politisch Aktive seien gleichzeitig auch ein Angriff auf die Demokratie, so Ackerl.
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