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MI | 21.03 | 17:03
Simon Rettenbacher (Bild: ORF)
Simon Rettenpacher-Gesamtausgabe
Mit einer sechsbändigen Gesamtausgabe des Werks des neulateinischen Ordensdramatikers und Lyrikers Simon Rettenpacher (1634-1706) ist ein Jahrhundertwerk gelungen. Am Mittwoch wurde es im Stift Kremsmünster vorgestellt.
Im Stift Kremsmünster präsentiert
Die Werkausgabe erschien in der Edition "Wiener Neudrucke" und wurde am 11. Februar im Stift Kremsmünster präsentiert. Aus einer Salzburger Bauernfamilie stammend, war Pater Simon Rettenpacher schließlich im Benediktinerstift Kremsmünster beheimatet.

"Pater comicus"
Hier war er Bibliothekar, leitete als "Praefectus" das Stiftsgymnasium und führte als "Pater comicus" das Stiftstheater. An der Benediktineruniversität in Salzburg lehrte er Geschichte und Ethik. Gemeinsam mit seinen Schülern brachte er seine Theaterstücke und Festspiele auf die Bühne.

Sein literarisches Schaffen verleiht Rettenpacher eine Sonderstellung innerhalb der österreichischen Literaturgeschichte des 17. Jahrhunderts. Das Gelingen einer Gesamtausgabe ist dem Benediktinerpater Benno Wintersteller zu verdanken. Vier Siebtel seines Lebens hat ihn Simon Rettenpacher als Projekt begleitet.
14.000 Dramenverse waren zu übersetzen
Das nunmehrige Ergebnis ist beachtlich: Mehr als 14.000 Dramenverse waren zu übersetzen und zu kommentieren, 460 Gedichte in Odenstrophenform zu edieren. Wintersteller konnte auf den Vorarbeiten von Alfons Isnenghi und Walter Zrenner aufbauen.

Es handelt sich um das größte österreichische literaturwissenschaftliche Projekt der letzten 15 Jahre. Es wurde vom Land Oberösterreich, dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und der Österreichischen Goethegesellschaft unterstützt.
Benno Wintersteller: "Mir fällt ein großer Stein vom Herzen. 25 Jahre habe ich mich mit Simon Rettenpacher beschäftigt und ich bin sehr froh, dass sie geglückt und fertiggestellt ist. Ich habe von den Forschungen auch aus meiner Dissertation sehr viel einbringen können und habe mich an den Originaldokumenten orientiert."
Fehler in der bisherigen Forschung
Weltweit gab es bis dato beispielsweise nur zwölf Exemplare von Simon Rettenpachers Drama "Frauentreu", von einigen Werken überhaupt nur Einzelexemplare. Mit der Gesamtausgabe ist dieser Mangel nun behoben. In ihr werden auch viele Fehler getilgt, die sich in der Rettenpacher-Forschung eingenistet hatten.

So komponierte Rettenpacher nicht die Musik zu seinen Dramen, wie bisher in der Überlieferung seiner Biografie behauptet wurde. Dr. Benno Wintersteller tilgte auch Fehler hinsichtlich seines Geburtsdatums und anderer familiärer Angaben. Bestehende Übersetzungen wurden kritisch überarbeitet und berichtigt, zum Teil neu übersetzt und kommentiert.

Der Mitherausgeber und Redakteur der Werkausgabe Christoph Fackelmann: "Für Rettenpacher war Dichten und das Verfassen von Dramen eine Arbeit der Gelehrsamkeit und des Unterrichtens. Er wusste, was er konnte, aber er war zutiefst der Nachahmung seiner großen Vorbilder verpflichtet. In der Lyrik war das Horaz. Im Drama waren es die klassischen römischen Dichter. Er hat den klassischen Kanon für wichtig gehalten.

Als Verfasser seiner dramatischen Dramen hat er schon einen großen Einfluss gehabt. Durch die lateinische Sprache war er auf die gelehrten Kreise beschränkt. In seinem deutschsprachigen Drama "Frauentreu" hat er die protestantische Poetik für seine katholischen, gegenreformatorischen Ziele umgemünzt. Dieses in Deutsch verfasste Drama ist ein Unikum in der österreichischen Literaturgeschichte".

Aufarbeitung historischer Epochen
Die Aufarbeitung historischer Epochen in der österreichischen Literaturgeschichte hält der Wiener Germanist Herbert Zemann für unumgänglich, denn "dort wo wir heute kritisch agieren, verlieren wir oft den Maßstab. Die Vergangenheit zeigt uns, dass auch eine Kultur der Heiterkeit denkbar ist. Bei aller Zeitkritik sich am Leben erfreuen."