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MI | 21.03 | 17:03
Galerie Pehböck (Bild: Pehböck)
Galerie Pehböck zieht aufs Land
Zeitgenössische Bildende Kunst am Land wird klischeehaft als eher schwierig zu vermitteln eingestuft. Stimmt gar nicht, dachte sich Galerist Erwin Pehböck und zog mit seiner Galerie aus Perg zurück in seinen Heimatort Naarn.
Dort, in der Unionstraße Nummer 4, befindet sich nun gleich gegenüber dem Fußballplatz im Keller und Erdgeschoss seines typischen sechziger-Jahre Siedlungshauses die neue Galerie Pehböck, die eigentlich die alte ist, denn hier hat 1994 alles begonnen.

Künstler wie Glück, Riedl, Bauer, ...
Pehböck hat in seiner Sammlung Werke unter anderem von namhaften Künstlern wie Anselm Glück, Alois Riedl, Christine Bauer, Georg und Wolfgang Stifter und Franz Blaas - jenem ruhigen Meister der unspektakulären Zeichnung. Dem jedenfalls gefallen seine eher kleinen Bilder im Wohnhaus der Pehböcks: "Man vermutet vielleicht auf Grund der Umgebung mit dem Fußballplatz nicht unbedingt eine Galerie."

Während im Erdgeschoß Zeichnungen von Franz Blaas ausgestellt sind, können sich Besucher im Keller des Hauses ein Herz für die Kunst nehmen - so heißt die zweite Ausstellung, die Pehböck mit seiner Sammlung bestreitet. Wenn ein Galerist wie Erwin Pehböck, der international auf Messen vertreten ist, diesen Schritt in den ländlichen Raum macht, dann darf das als Anlass zu einer Diskussion über das Ausstellen im Allgemeinen genommen werden.
Immer mehr wird auf Messen verkauft
Verkauft wird zunehmend auf Messen und immer weniger bei Ausstellungen, Franz Blaas: "Ich finde, man soll nicht davon abkommen, denn es ist nach wie vor eine der wenigen Möglichkeiten, wo Menschen bildende Kunst sehen können. Wenn die Menschen es dann in einem kleinen Ort am Land sehen können, ist das umso besser. Ich unterstütze auf alle Fälle diese Sisyphus-Arbeit eines Galeristen am Land."
Die Events im Kunstbereich, die gut besuchten klassischen Vernissagen mit kleinen Häppchen, Getränken und mehr oder weniger kunstsinnigen Gesprächen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass während der Öffnungszeiten in vielen Galerien so gut wie gar nichts los ist.

Das war mit ein Grund, warum Erwin Pehböck seine Galerie ins Wohnhaus verlegt hat: "Man sitzt sehr viel alleine in der Galerie, und das war für mich schon mit ein Hauptgrund, dass ich die Galerie in mein Privathaus verlegt habe. Die Leute, die bei mir Kunst kaufen, kommen sowieso aus dem oberösterreichischen Zentralraum, aus Wien, aus Deutschland oder Italien. So gesehen habe ich mir gedacht, es muss auch hier in Naarn funktionieren", so Pehböck.

Kunstvermittlung als Lebensaufgabe
Kunst am Land hat immer auch etwas Missionarisches und der Galerist, der im Zweitberuf Lehrer ist, weiß um seine Rolle im etwa 3.000 Einwohner großen Ort Naarn: "Das ist natürlich eine Lebensaufgabe, Kunst zu vermitteln. Im Laufe der Zeit bekommt man schon einen Wirkungskreis, der sich nach und nach erweitert."

Wer auch immer künftig die Galerie Pehböck besuchen will, ist herzlich dazu eingeladen. Wer weiß, vielleicht ergibt sich auch einmal ein kurzer Besuch nach einem Fußballspiel? Sport und Kunst müssen ja nicht immer künstlich getrennt werden. Die Schwelle jedenfalls, in ein ganz normales Wohnhaus zu gehen, liegt sicherlich tiefer als jene beim Eintritt in eine als solche erkennbare Galerie.