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MI | 11.04.2012
Julian Assange (Bild: AEC)
KULTUR
Julian Assange bei der Ars Electronica 2009
Die Aktivitäten von WikiLeaks haben zu Debatten über die Veröffentlichung geheimer Dokumente geführt. Julian Assange hat seine auch auf den Westen gerichteten Aktivitäten bereits 2009 bei der Linzer Ars Electronica angekündigt.
"Begonnen haben wir mit den Ländern, die wir für die korruptesten gehalten haben"
Julian Assange holte sich 2009 für WikiLeaks eine Auszeichnung des Prix Ars Electronica in Linz ab. Der Internetjournalist steht damit in einer Reihe von herausragenden Preisträgern wie Jimmy Wales von Wikipedia oder Tim Berners Lee, dem Erfinder des World Wide Web.

In seinem Festivalvortrag vor Künstlern und Journalisten sagt Julian Assange 2009: "Große gesellschaftliche Reformen nehmen ihren Anfang, in dem man Dinge ans Licht bringt, die die Reform auslösen werden."

"Jetzt konzentrieren wir uns auf den Westen"
Wie schnell die Debatte über die Veröffentlichung geheimer Dokumente im Internet da sein würde, hat den Enthüllungsjournalisten Assange wohl selbst überrollt, ja seine Reputation schwer angegriffen.

Hatte sich nämlich WikiLeaks seit seiner Gründung 2006 vor allem auf korrupte Länder konzentriert, machte Assange 2009 in Linz folgendes klar: "Begonnen haben wir mit den Ländern, die wir für die korruptesten gehalten haben - die, die sofort an den Pranger gehören und am dringendsten von Korruption befreit werden müssen. Jetzt konzentrieren wir uns global, auch auf den Westen. Denn der Westen unterstützt und verbreitet durch seine eigene Korruption, die Korruption und Ungerechtigkeit in Entwicklungsländern und in quasi-Demokratien wie China."
Geheimdokumente von Diplomaten
Gesagt getan: 2010 hat WikiLeaks als offene Internetplattform in Zusammenarbeit mit internationalen Qualitätsmedien, wie zum Beispiel dem "Guardian" oder dem "Spiegel", 0,5 Prozent der rund 250.000 Diplomatengeheimdokumente veröffentlicht. Die Folgen für WikiLeaks und Julian Assange sind bekannt.
"Etwas, das ganz tief in die Wurzeln unserer Gesellschaft reingeht."
"Etwas, was noch niemand vorher schaffte"
Für den Internet-Fachmann, Medienkünstler und Leiter der Ars Electronica, Gerfried Stocker, hat WikiLeaks vor allem eines gebracht, nämlich eine lebhafte Debatte über Öffentlichkeit: "Ich glaube, viele von uns haben eigentlich erst jetzt wirklich bisschen eine Ahnung davon bekommen, was das Internet eigentlich heißt. Nicht, dass dies nur eine leere Floskel ist, weil wir alle Handys und Laptops haben, sondern dass dies ganz tief in die Wurzeln unserer Gesellschaft reingeht. Wenn wir jetzt eine Diskussion darüber haben, dass die Rolle von Demokratie und Öffentlichkeit überhaupt diskutiert wird, dann hat dies WikiLeaks geschafft. Etwas, was zuvor noch niemand geschafft hat", sagt Stocker.

"Bedürfnis, Öffentlichkeit herzustellen"
Wird in Zukunft alles öffentlich, wird es keine Regierungsgeheimnisse mehr geben, soll das so sein, und bedeutet totale Öffentlichkeit die Krise der Demokratie oder eine Chance? Eine Debatte die gerade beginnt.

Die Zukunft von WikiLeaks und Julian Assange sieht Gerfried Stocker klar: "Die Arbeit, die er angestoßen hat, wird von Tausenden im Netz weitergemacht werden, weil es ein Bedürfnis gibt, Öffentlichkeit herzustellen.
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