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MO | 13.02.2012
Stift Kremsmünster
CHRONIK
Kremsmünster: Pater gestand Übergriff
Nach den Missbrauchsvorwürfen im Stift Kremsmünster sind drei Patres ihrer Ämter enthoben worden. Einer der Mitbrüder habe den ihm vorgeworfenen Gewaltübergriff bestätigt - sexuelle Hintergedanken habe es jedoch keine gegeben.
Bisher haben sich fünf Betroffene gemeldet.
"Es ist so passiert"
Das gab Abt Ambros Ebhart am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz bekannt. "Es ist so passiert", zitierte Ebhart aus dem Gespräch mit einem der Patres. Dieser soll den Kopf eines Schülers, der sich neben ihm hingekniet habe, gerieben und und fest in seinen Schoß gedrückt haben.

Pater "sehr betroffen"
Der Geistliche habe den Vorwurf in einer ersten Reaktion als "Unsinn und ein Zusammenreimen nach 30 Jahren" bezeichnet, die Aussage später aber bedauert, sagte Ebhart. Der Mitbruder sei "sehr betroffen", dass seine Handlungen als Missbrauch erlebt worden seien.

"Ich bedauere, dass Menschen solche Leiderfahrungen in unseren Einrichtungen gemacht haben", erklärte Ebhart, der Kremsmünster seit drei Jahren als Abt vorsteht.
Klarheit und Barmherzigkeit
Das Stift habe ein Interesse daran, dass alle Fälle aufgearbeitet werden, und sei froh über jede Hilfe von staatlichen und diözesanen Stellen. Man werde die Vorwürfe in die diözesane Kommission gegen Missbrauch und Gewalt einbringen und deren Empfehlungen umsetzen.

"Es braucht die Klarheit, aber genauso die Barmherzigkeit", betonte Ebhart. Einer der drei Kremsmünsterer Mitbrüder sei geistlicher Begleiter von Schülern gewesen, ein anderer habe Pfarrtätigkeiten verrichtet, der dritte Aufgaben im Stift versehen.

Insgesamt neun Missbrauchsvorwürfe
An die Kommission seien - Kremsmünster eingerechnet - aktuell in Summe neun Missbrauchsvorwürfe herangetragen worden, berichtete ihr Vorsitzender Josef Gruber. Er erklärte, dass die Einrichtung, die neben sexuellem Missbrauch auch Gewaltdelikte und Missbrauch von Autoritätsverhältnissen untersuche, weisungsfrei und unabhängig sei.

Im Fall von strafrechtlichen Gegebenheiten würden entsprechende Schritte in die Wege geleitet, betonte Gruber.
Die drei beschuldigten Patres sind laut Bericht bereits pensioniert.
Zöglinge misshandelt und tyrannisiert
Schwere Vorwürfe gegen die drei Patres erhebt ein ehemaliger Internatsschüler des Stifts Kremsmünster. Die Geistlichen sollen Zöglinge misshandelt haben. Der ehemalige Schüler S. bestätigte die Vorwürfe jetzt im Interview mit dem ORF Radio OÖ.

S. war zwischen 1979 und 1982 Schüler im Stiftsgymnasium Kremsmünster. Einer der beschuldigten Patres weist die Vorwürfe als "Unsinn" zurück.

Kopf in den Schoß gedrückt
Wenn jemand im Speisesaal zu laut gewesen sei, habe Pater A. mit der Glocke geläutet, begann der ehemalige Schüler seine Schilderung. Der Betroffene habe sich neben dem Geistlichen hinknien müssen. Dann habe der Pater den Kopf des Zöglings fest in seinen Schoß gedrückt und gerieben. Das berichteten die "Oberösterreichischen Nachrichten".

Mit der anderen Hand habe er weit ausgeholt und dem Schüler eine heftige Ohrfeige versetzt - oder auch kurz davor haltgemacht und ihn gestreichelt. Das sei alles sehr erniedrigend gewesen, wurde der heute etwa 40-Jährige in dem Bericht zitiert.
Hand in Pyjamahose gesteckt
Übergriffe, auch sexueller Natur, seien keine Seltenheit gewesen. Er habe beobachtet, wie ein Geistlicher seinen Kopf zwischen die Füße eines Mitschülers gedrückt habe.

Ein anderes Mal soll ein Pater seine Hand in die Pyjamahose eines Zöglings gesteckt haben. Der ehemalige Internatsschüler berichtete auch von Schlägen mit Schlüsselbünden und Kabeln.
"Es war Machtmissbrauch"
"Vor allem bei Essenszeiten, bei denen Pater A. die Aufsicht hatte, ist es dazu gekommen, dass, wenn ein Schüler ein Fehlverhalten gesetzt hat, er wirklich mit der flachen Hand eine Ohrfeige bekam, oder er hat seine Hand kurz abgebremst, und dann ist der Schüler jovial gestreichelt worden. Und das immer vor der gesamten Mannschaft, das war eine Demütigung. Es war eigentlich Machtmissbrauch", sagte S. gegenüber dem ORF OÖ.
"Klima der Angst und Verschwiegenheit"
Zum Vorwurf des sexuellen Missbrauchs sagte S.: "Na ja, das Einzige, was ich dazu sagen kann, ist, dass ich einmal einen anderen Pater gesehen habe, wie er in der Dusche einem Schüler gezeigt hat, sich an den richtigen Stellen zu waschen. Von konkretem Missbrauch hat man gegenüber mir nicht gesprochen. Es herrschte ein Klima der Angst und Verschwiegenheit."

"Es sind auch Beobachtungen, die man auch anders darlegen könnte. Wenn ich sage, dass ich einen Kollegen gesehen habe, der von einem Pater gekommen ist, drei Tafeln Schokolade in der Hand und einen hochroten Kopf gehabt hat, dann kann man das in verschiedenste Richtungen deuten", so der ehemalige Schüler des Stiftsgymnasiums Kremsmünster.
Dass es heute noch solche Vorgänge gebe, halte er nicht für möglich. Seine Erfahrungen stammten aus den 1980er Jahren, so S.
Anfragen bei Kinder- und Jugendanwaltschaft
Eine Folge dieser Missbrauchsvorwürfe sind auch verstärkte Anfrage bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft, vor allem durch Lehrer. Die meisten Missbrauchsfälle ereignen sich in der Familie, dann folgen aber schon Fälle von Abhängigkeitsverhältnissen - wie eben zwischen Erzieher und Schüler.

Entschuldigung gefordert
Christine Winkler-Kirchberger, die Leiterin der Kinder- und Jugendanwaltschaft, fordert auf jeden Fall eine Entschuldigung bei den Opfern: "Wir erleben immer wieder, dass es den Opfern darum geht, den Täter zur Verantwortung zu ziehen und dass dieser sein Unrecht einsieht. Die Opfer wollen eine Entschuldigung vom Täter. Natürlich hat sich auch die Institution zu entschuldigen."

Studiogast in "Oberösterreich heute"
Über die Missbrauchsvorwürfe berichtet auch "Oberösterreich heute" am Donnerstag um 19.00 Uhr. Zu Gast im Studio ist der Bezirkshauptmann von Wels-Land, Josef Gruber. Er leitet die Kommission gegen Missbrauch und Gewalt der Diözese Linz.
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